08. Oktober 2008
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Fisch des Jahres 2003: Die Barbe (barbus barbus L.) 

 

Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Sportfischer e.V.:

Der Verband Deutscher Sportfischer e.V. hat die Barbe zum Fisch des Jahres 2003 gewählt. Diese Fischart - wie schon einige Fische des Jahres bisher - gehört zu den wandernden Fischarten. Sie kommt außer in Skandinavien, Dänemark, Schottland und Irland in fast ganz West- und Mitteleuropa vor.

Auch diese Fischart ist als gefährdet anzusehen. Die Gefährdungsursachen sind bei allen Wanderfischarten die gleichen: Nachteilige Veränderungen des Lebensraums durch Stauwerke, fehlende Durchgängigkeit des Flußlaufs als Folge der Sperrwirkung von Wasserkraftanlagen. 

Die Barbe ist Leitfisch des Mittellaufs unserer Flüsse, vergesellschaftet mit einer entsprechenden typischen Lebensgemeinschaft von Organismen in diesem Lebensraum. Dieser Mittelabschnitt des Flusses wird daher Barbenregion genannt. In natürlichem Zustand ist die Region gekennzeichnet durch klares, rasch fließendes und gut belüftetes Wasser, dessen Abflußmenge gefällebedingt insbesondere bei Hochwasser deutlich erhöht sein kann. Das sind aber auch die idealen Voraussetzungen für die energetische Nutzung des Abflusses vor allem im Mittellauf unserer Flüsse und Ströme.

Die gesellig lebende Barbe zieht zur Laichzeit in großen Schwärmen zu ihren flußaufwärts liegenden Laichgebieten, wo sie Geröll und Kies als Laichunterlage antrifft. Wird der Barbe jedoch der Weg durch Querbauten im Wasser verwehrt, ist ihre Fortpflanzung bei fehlendem Laichsubstrat im gestauten Flußabschnitt gefährdet bzw. unmöglich, ihr Bestand vom Untergang bedroht. Früher war die Barbe in den Mittelläufen der größeren Flüsse häufig vertreten. Heute muß ihr Bestand in zahlreichen Fließgewässern durch Besatzmaßnahmen gestützt werden. Unseren Mitgliedsvereinen kommt auch hier ein großes Verdienst zu, denn sie sorgen weitgehend durch grundsätzlichen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz und hohes finanzielles Engagement für einen unschätzbaren Beitrag zum fischereilichen Artenschutz.

Wir fordern auch für den Fisch des Jahres 2003 die - Barbe - eine weitere Verbesserung der Gewässerqualität unserer Flüsse und Bäche sowie einen Stopp weiterer Verbauungen durch Wasserkraftanlagen.

Weiter Infos zur Situation in Baden-Württemberg und zur Fischart       

Historische Vorkommen in Baden-Württemberg:

Barben kamen früher im gesamten Landesgebiet vor und blieben in ihrer Häufigkeit lediglich hinter den häufigsten Arten wie Nasen, Döbel und Ukelei zurück. Die Barbenbestände wurden landläufig befischt und bildeten eine wichtige Stütze der historischen Berufsfischerei.

Die Verbreitungsgebiete der Barbe umfassten das gesamte Rheingebiet, den Neckar stromabwärts ab Rottweil und die Donau von Tuttlingen an stromabwärts, jeweils einschließlich der als Lebensräume geeigneten Zuflüsse. In der Tauber und im Main waren die Barben ebenfalls häufig. Es wurden dort z.B. Exemplare mit einem Gewicht von 13 Pfund gefangen.

Gegenwärtige Vorkommen in Baden-Württemberg:

Nachdem Barben in den 70er und 80er Jahren in vielen Bereichen stark zurückgegangen waren, konnte sich die Art bis heute wieder erholen und wichtige Teile ihres ehemaligen Siedlungsareals zurückerobern.

Im südlichen Teil des Rheingebietes sowie im Donau- und Bodenseesystem tritt die Barbe mittlerweile in fast allen für sie geeigneten Gewässern wieder verbreitet bis häufig auf. Eine dünnere und teilweise spärliche Besiedlung herrscht dagegen noch im  nördlichen Oberrheingebiet und im Neckar vor. Im gesamten Taubergebiet gehört die Barbe noch immer zu den seltenen Fischarten.

Status in Baden-Württemberg:

Die Bestandsrückgänge früherer Jahre waren eine Folge der damaligen hohen Fließgewässerbelastungen, die den Fortpflanzungserfolg der Barbe entscheidend einschränkten. Erst im Zuge zunehmend wirksamer Gewässerreinhaltemaßnahmen entstanden wieder reproduzierende Bestände in Flüssen mit ausreichendem Lebensraumangebot.

Beeinträchtigungen bestehen jedoch nach wie vor durch die undurchgängige Gestaltung der meisten Flüsse. Diese verhindert nicht nur die der Barbe eigenen Standortwechsel über große Distanzen, sondern teilweise auch die Wiederbesiedlung ehemaliger Lebensräume. Zudem ist die Strömung mancher Fließgewässer durch eine Vielzahl von Querbauten offenbar so stark reduziert, dass potentielle Barbenlaichplätze trotz guter Wasserqualität mit Feinsedimenten überfrachtet und dadurch untauglich sind.

In der Roten Liste Baden-Württemberg ist die Barbe in die Gefährdungskategorie „gefährdet“ bzw. „stark gefährdet“ aufgenommen.

Einiges über die Barbe

Die Barbe ist in Mitteleuropa nördlich der Pyrenäen verbreitet. Sie fehlt indes in Skandinavien einschließlich Finnland und Dänemark sowie in Schottland.

Die Barbe ist ein typischer Flußfisch und lebt zumeist gesellig über kiesigem, steinigem Untergrund. In der nach ihr benannten Barbenregion ist sie der Leitfisch. In der kalten Jahreszeit bezieht die Barbe zusammen mit vielen Artgenossen ein Winterquartier an tiefen, ruhigen Stellen. In Seen kommt sie nur selten vor.

Charakteristisch für die Barbe ist das unterständige Maul mit wulstigen Lippen und 4 Barteln am Oberkiefer. Die kleinen Augen liegen deutlich hinter den Maulwinkeln zurück. Die Rücken‑ und Afterflosse sind kurz, die Schwanzflosse ist tief eingeschnitten. Die Seitenlinie verläuft fast gerade von den Kiemendeckeln bis zur Schwanzflosse.

Die Barbe gilt als besonders wanderlustig. Eine markierte Barbe legte in 37 Tagen in der Donau flussaufwärts 303 km zurück und vollbrachte somit eine durchschnittliche Tagesleistung von 8,02 km.

Die Barbe ernährt sich vorwiegend von Bodenfauna, nämlich von Würmern, Schnecken, Muscheln und Insektenlarven. Mitunter vergreift sie sich an Fischlaich und Fischbrut.

Der Barbenmilchner (Männchen) wird im 3., der Rogner (Weibchen) im 4. Jahr geschlechtsreif. Die Laichzeit fällt in die Monate Mai und Juni. Der Milchner trägt auf dem Scheitel und Rücken einen feinkörnigen Laichausschlag. Milchner und Rogner inszenieren vor dem Ablaichen ein lautes Liebesspiel. Der Rogner legt die gelblichen, klebrigen Eier auf Kies und Steinen ab. Je kg Körpergewicht liefert der Rogner ca. 9000 Eier. Dringend zu warnen ist, zur Laichzeit den Barbenrogen zu verspeisen. Nach dem Verzehr von Barbenrogen in der Laichzeit können sich Krankheiten wie Übelkeit und Brechdurchfall einstellen.

Die Barbe erreicht eine Länge von 70 cm und ein Gewicht von 12 bis 15 kg.

Die Barbe ist grätenreich. Nach "Behandlung" mit einem Grätenschneidegerät wird das Fleisch gerne gegessen. Als Steckerlfisch auf Volksfesten ist die Barbe eine begehrte Speise.

Die Angler schätzen die Barbe als ausgezeichneten Fisch, der sich durch Kampfkraft, weite Fluchten und große Ausdauer hervortut. Hauptfangzeit sind die Monate Juli bis November. Als Köder bewähren sich Tauwürmer, Maden und Käse.


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