06. September 2010
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Kormoranmanagement am Bodensee-Untersee

Regierungspräsidium sichert biologische Vielfalt die Fischerei

 Das Regierungspräsidium Freiburg hat am 8.4.08 aufgrund eines gemeinsamen Antrags der deutschen und schweizerischen Berufs- und Angelfischer am Bodensee-Untersee die naturschutzrechtliche Befreiung erteilt, durch gezielte Maßnahmen den Bestand der dort brütenden Kormorane zu regulieren.
Die Entscheidung konnte erfolgen, nachdem der Petitionsausschuss des Landtages einer Petition des NABU gegen die vom Regierungspräsidium geplanten Maßnahmen nicht entsprochen hat. Somit konnte das geplante Auskühlen lassen angebrüteter Eier in der Kormoran-Brutkolonie im Naturschutzgebiet „Radolfzeller Aachried“ durch vorübergehendes Vertreiben der Brutvögel vom Gelege mit Halogenlicht stattfinden.

Außerdem ist geplant, die Wintervergrämung der Kormorane durch Jäger auf dem Gnadensee, Zellersee und Untersee außerhalb von Naturschutzgebieten versuchsweise bereits ab 1. August 2008 (bisher 1. September) zu genehmigen.

Im Aachried brüten derzeit ca. 70 – 100 Kormoranpaare. Die Kolonie besteht seit rund 10 Jahren. Eine im Winter 2004/2005 unter Mitwirkung der Vogelwarte Radolfzell erarbeitete Studie hat belegt, dass die Kormorane die Äschenpopulation, die durch den extrem trockenen Sommer 2003 sehr gelitten hat, gefährdet; außerdem entnehmen sie dem Bodensee ähnlich viele Fische wie die Berufsfischer.
Die Fischbestände werden dabei auch besonders dadurch beeinträchtigt, dass die Kormorane überwiegend jugendliche Fische fressen und die Fischbestände sich damit nicht ausreichend reproduzieren können.
Regierungspräsidium und Landesfischereiverband halten es daher wegen des Fischartenschutzes und zur Sicherung einer nachhaltigen Berufsfischerei am Bodensee für dringend geboten, die weitere Zunahme des Kormoranbestandes zu begrenzen. „Die ökologische Balance am Bodensee und ein ausgewogener Artenschutz sind uns wichtig“, so Regierungspräsident Julian Würtenberger.

Durch die Entscheidung des Regierungspräsidiums Freiburg ist es jetzt möglich, die erheblich angewachsenen Kormoranbestände und die davon ausgehenden Schäden für den Fischbestand, den Fischartenschutz und die Fischerei am Untersee zu begrenzen.

Im April werden die Vögel bei  nächtlichen Aktionen in der Brutkolonie mit Handscheinwerfern von ihren Nestern ferngehalten werden. Auf diese Weise sollen die Eier auskühlen und die Schlupfrate reduziert werden. Dies ist mit dem Tierschutz durchaus vereinbar, so das Regierungspräsidium und damit die mildeste der möglichen Methoden. Eine vom Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart eingesetzte und international besetzte Arbeitsgruppe hat unterschiedliche Methoden zur Bestandskontrolle intensiv verglichen und diese einvernehmlich als praktikabel vorgeschlagen. Sie hat sich in mehreren Kormorankolonien in Brandenburg und Dänemark seit Jahren bewährt. Mitgearbeitet haben in dem Gremium auch Vertreter verschiedener Umweltverbände u.a. auch vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg.

Dass der Kormoran durch seinen seit einigen Jahrzehnten stark angewachsenen Bestand nicht nur die Fischbestände Baden-Württembergs sondern in ganz Mitteleuropa nachhaltig schädigt, ist in der Zwischenzeit vielfach wissenschaftlich belegt. In Fachkreisen zweifelt niemand mehr an dieser Tatsache.

Alle Vertreter der Arbeitsgruppe einschließlich dem Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. als Dachorganisation der Naturschutzverbände stehen der Aktion aufgeschlossen gegenüber. Einspruch gegen die Aktion kommt derzeit nur vom NABU Baden-Württemberg und das erst nach dem offiziellen Abschluss der Arbeitsgruppe. Dies verwundert Kenner der Materie umso mehr, da auch der NABU in vielen anderen Fällen ein Wildtiermanagement öffentlich einfordert. Das gilt allerdings nur, solange keine Vögel betroffen sind oder das Management zugunsten der Vögel erfolgt. Diese Sichtweise sei „avizentrisch“ und nicht mit einem universellen Naturschutzgedanken vereinbar, so Wolfgang Reuther, Präsident des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg.

Um die Bevölkerung über die Thematik aufzuklären hat der Landesfischereiverband Baden-Württemberg ein Faltblatt erstellt und in Zusammenarbeit mit Schweizer Fischern rund um den Untersee auslegen lassen. Das Faltblatt kann auch im Internet unter www.lfvbw.de heruntergeladen werden.


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