19. November 2008
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Die Fische Baden-Württembergs wissenschaftlich gesehen 

Die Wissenschaft hat schon seit jeher versucht die Lebewelt unserer Erde in eine, für den Menschen verständliche, Ordnung zu fassen. Die europäischen Fische hat Karl v. Linné 1758 zum ersten Mal systematisch beschrieben und klassifiziert.

Da die Fische ihre ganze Existenz unter der Wasseroberfläche verbringen, entziehen sie sich meist unseren Blicken. Aus dem Sinn entziehen sie sich somit auch vielen Menschen.

Wie wichtig aber diese so bemerkenswerten Lebewesen im Naturhaushalt sind, merken wir daran, dass die Überklasse der Fische die älteste und artenreichste Wirbeltierklasse des Planeten ist. Die Dinosaurier starben vor ca. 60 Mio. Jahren aus, die ersten Urfische jedoch, tauchten bereits vor ca. 400 Mio. Jahren auf.
Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, stammen von diesen „Fischen“ alle höheren Tiere und letztendlich, wer hätte es gedacht, wir Menschen ab.

Die lange Zeitperiode von mehreren Hundert Mio. Jahren, ließ die Entwicklung einer umfangreichen Arten- und Formenvielfalt unter den Fischen zu. Die Zahlen schwanken in der Literatur um 25000 Arten weltweit. Jährlich werden, meist in den tropischen Regenwäldern und der Tiefsee der Meere, etwa 100 bis 300 neue entdeckt. Dies bedeutet, dass ungefähr 50% aller Wirbeltiere Fische sind. Die meisten davon, ca. 19000 Arten leben im Salzwasser der Meere welches 71,3% der Erdoberfläche ausmacht. Etwa 6000 Arten existieren in den 1,7% Süßwasser. Die prozentualen Verhältnisse dieser Flächenanteile, zu den in ihnen lebenden Fischarten, deuten an dass die trennenden Strukturen der Binnengewässer für die Artenbildung förderlich waren. Dies lassen z.B. Felchenformen (Coregonus spec.) des Bodensees erkennen, welche es eben so nur hier gibt. Auch wird angenommen, dass sich viele Fischarten im Süßwasser entwickelten und sich erst später an das Salzwasser anpassten. Unser Lachs (Salmo salar) sowie der Stör (Acipenser sturio), welche im Meer leben und zur Fortpflanzung in unsere Flüsse aufsteigen, könnten hierfür ein Beleg sein.

Die nahen Küstengewässer und Binnengewässer Europas beherbergen etwa 200 Arten. In Mitteleuropa, also auch Deutschland, schwankt die Zahl um 90 Arten. Schränkt man das Gebiet auf Baden-Württemberg mit den Einzugsgebieten des Oberrheins und der Donau ein, so kamen ursprünglich ca. 60 Arten in unseren Gewässern vor.

Verschmutzung, Einführung fremder Tierarten und vor allem Gewässerverbauung, verringerte die Zahl spürbar. Heute beherbergen die Fischwasser des Landes noch 48 ursprünglich heimische Arten und Formen, wobei ein Grossteil als äußerst gefährdet einzustufen ist.
Zusätzlich gibt es 10 – 12 sog. Alt- und Neueinwanderer wie Karpfen (Cyprinus carpio), Zander (Stizostedion lucioperca) und Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykiss). Diese eingeführten Fische veränderten unsere Gewässerfauna und sind eigentlich nicht mehr wegzudenken. Bemerkenswerter Weise sind es gerade auch diese Arten, die dem Grossteil der Bevölkerung als Speisefische bekannt sind.

Die relativ geringe Artendichte ursprünglich heimischer Süßwasserfische, ist wohl auf die wechselvolle Klimageschichte Europas zurückzuführen. Mehrere Eiszeiten überdeckten halb Mitteleuropa. Die Würmeiszeit ist erdgeschichtlich „nur“ seit ca. 10000 Jahren vergangen und die Gletscher der Alpen reichten wohl bis zu den Hochlagen der Schwäbischen Alb. Oberflächengewässer gab es in der heutigen Form nicht.

Dies stellte für die Entwicklung neuer Arten, selbst für die varianten- und formenfreudigen Fische ein Hindernis dar. Seitdem konnten sich in dem äußerst kurzen Zeitraum im Gebiet unserer heutigen Heimat nur relativ wenig Arten entwickeln. Es wird angenommen dass die meisten Fische aus dem östlichen und südöstlichen Kontinent zugewandert sind und sich währenddessen anpassten und veränderten. Vergleicht man einzelne Arten wie die der Familie Karpfenfische (Cyprinidae), fällt oft die starke Ähnlichkeit der Tiere auf. Die geringen körperlichen Unterschiede von Brachsen (Abramis brama) und Güster (Blicca bjoerkna), Rotauge (Rutilus rutilus) und Aland (Leuciscus idus) scheinen nicht nur oberflächlich zu sein. Diese Arten haben sich augenscheinlich nur wenig weit voneinander fortentwickelt und scheinen die gleichen, nahverwandten Vorfahren zu besitzen.

Die systematische Übersicht (s. Abb.) zeigt, das die oberste Stufe der Systematik die Reiche sind, welche u.a. das Tierreich (Animalia) und Pflanzenreich darstellen. Danach folgt der Stammder Wirbeltiere (Vertebrata) dem u.a. neben den Säugetieren, Vögeln, Rundmäulern (Neunaugen) auch die Überklasse der Fische (Pisces) angehören. Die heimischen 14 Fischfamilien des Landes werden zur anschließenden Klasse der Knochenfische (Osteichthyes) gezählt. Die beiden, den Knochenfischen untergeordneten Überordnungen der Knorpelganoiden (Chondrosteichthyes) und Echten Knochenfischen (Teleosteichthyes), folgt die Ebene der Familien. Die jeweiligen Gattungen, Arten und Formen, schließen danach an. Im Konkreten beinhaltet das System noch weitere Über- und Unterklassifizierungen.

51 Fischarten in Baden-Württemberg


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