18. November 2008
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Bestandsentwicklung der Kormorane

Die Kormoranbestände in Europa betrugen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in nur wenigen Kolonien in Holland und Polen insgesamt 3.000 bis 4.000 Vögel.

Durch die EU-Vogelschutzrichtlinie aus dem Jahr 1979 wurde der Kormoran europaweit unter Schutz gestellt. Hierdurch stieg in den folgenden Jahren der Kormoranbestand in Europa exponentiell auf 700.000 im Jahr 1997 an.
Heute im Jahr 2007 werden für Europa ca. 2.600.000 Kormorane geschätzt.

In Dänemark und in den Niederlanden waren es sich addierende Umstände, die die exponentielle Bestandsentwicklung begünstigten: Schutz in den Kolonien (Gelände ist Privateigentum einer niederländischer Vogelschutzvereinigung), Verbot der Reduktion von Jungvögeln, Ansiedlungsmöglichkeiten und nahezu unbegrenztes Nahrungsangebot, besonders im Ijsselmeer (Niederlande).  

Prinzipiell führt der Kormoran im Jahreslauf verschiedene Wanderungen durch. So erfolgt im Sommer nach der Aufzucht der Jungen eine Zerstreuungswanderung der Tiere. Im Herbst machen diese Vögel einen Herbstzug in die Überwinterungsgebiete. Im Frühjahr kehren Sie wieder in ihre Brutkolonien zurück. Die eigentlichen Überwinterungsgebiete sind ca. 2500 km entfernt und liegen im Mittelmeergebiet und in Süd- und Südosteuropa. In ihrem Wanderverhalten unterscheiden sich Kormorane jedoch von anderen wandernden Vogelarten dadurch, daß nur ein Teil abzieht, und die anderen im Brutgebiet bleiben oder die Wanderung erheblich abkürzen. Kormorane sind also sowohl Zug- wie Strich- und Standvögel. In der mitteleuropäischen Brutpopulation sind alle Varianten vertreten. Hinzu kommt, daß sie auch rasch die Zugrouten wechseln, wenn neue Bedingungen eintreten.

Die Entwicklung des Kormoranbestandes in Baden-Württemberg in den letzten Jahren steht im Zusammenhang mit der Entstehung großer Kormorankolonien in Holland, Dänemark und dem westlichen Ostseeraum.
So stieg die Zahl der überwinternden Kormorane in Baden-Württemberg von weniger als 100 Tieren anfangs der siebziger Jahre auf fast 7.000 (s. Abb.)an! Danach wurden in Baden-Württemberg flächendeckende Zählungen nicht mehr fortgeführt.
Aktuell kann von unverändert hohen Kormormoranwinterbeständen ausgegangen werden.

 

(Abbildung aus dem Abschlußbericht über die Begleituntersuchungen zur Kormoranverordnung im Winter 1997/98 der Fischereiforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg)

Seit dem Anstieg des Kormoranbestandes und seines veränderten Zugverhaltens klagen die Fischer über Schäden an den Fischbeständen und dadurch beeinträchtigte Erträge. Die dazu in der Fachpresse erschienen Beiträge sind zahllos. Die Naturschützer, die Eingriffe in die Kormoranpopulationen strikt ablehnen, beharren nachdrücklich auf dem gegenwärtigen gesetzlichen Zustand, verweisen auf die Vergangenheit, in der der Kormoran nach schlimmer Verfolgung aus Europa vertrieben wurde. Dabei wird ignoriert, daß das mit dem strengen Schutz angestrebte Ziel, die Wiederausbreitung der Art in Mittel- und Westeuropa, längst erreicht ist. Es gibt in Mittel- und Westeuropa gegenwärtig mehr Kormorane als je zuvor.

Der Kormoran ist in Deutschland in historischer Zeit wohl immer ein unregelmäßiger Brutvogel gewesen. In Süddeutschland fehlte er jedoch vollständig oder kam nur sporadisch vor.
Auch hier ergaben sich in den letzten Jahren starke Veränderungen (s. Abb.)!

 

 

(Abbildung aus dem Abschlußbericht über die Begleituntersuchungen zur Kormoranverordnung im Winter 2002/03 der Fischereiforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg)



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