Eine neue Kormoranverordnung
An Baden-Württembergs Gewässern überwintern jedes Jahr über 5.000 Kormorane. Die oft in Trupps jagendenVögel können den Fischbestand eines Gewässers innerhalb weniger Tage erheblich dezimieren. 
Der jährliche Zuwachs an Fischen beträgt in unseren Gewässern bis zu einem Drittel der Bestandsmasse. Kormorane fressen aber teilweise weit mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes heraus: Der Bestand in besonders betroffenen Gebieten sinkt drastisch und ist allenfalls langfristig wiederherzustellen. Das ist nicht nur ein ökonomisches Problem. Vielmehr darf vor allem der ökologische Schaden, den die Kormorane anrichten, nicht unterschätzt werden.
Die Fischer leisten einen unverzichtbaren, meist ehrenamtlich erbrachten Beitrag zum Natur- und Umweltschutz.
Wo die Kosten jedoch angesichts massiver Bestandseinbußen unverhältnismäßig hoch werden, sind die Angelvereine letztlich gezwungen, die Pacht und damit die Pflege ihrer Gewässer aufzugeben. Für Berufsfischer können die Schäden durch zurückgehende Erträge und zerstörte Netze gar existenzbedrohend sein.
Die ungehinderte Vermehrung und Ausbreitung der Kormorane steht im Konflikt mit aufwändigen Schutzprojekten für gefährdete Fische. Solange es eine europaweite Steuerung des Kormoranbestandes, wie sie auch das Europaparlament fordert, nicht gibt, besteht der einzige Schutz für unsere heimischen Fische darin, die Kormorane von sensiblen Gewässern zu vertreiben. Nach Untersuchungen der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg hat sich nur der gezielte Abschuss von einzelnen Vögeln als wirksame Vergrämungsmaßnahme erwiesen. Sie ist in Baden-Württemberg unter eng begrenzten Bedingungen seit 1997 erlaubt.
In der Praxis trägt diese Regelung einem gleichberechtigten Artenschutz für Vögel und Fische jedoch noch nicht ausreichend Rechnung. Wir brauchen deshalb eine modifizierte Kormoran-Verordnung, um zukünftig Gefahren für die heimischen Fischbestände gezielter und sicherer abwehren zu können.
Solange
viele Fischbestände durch die Beeinträchtigung
ihres angestammten Lebensraumes
instabil und gefährdet sind,
halten wir eine vernünftige Steuerung
des Kormoranbestandes in Baden-Württemberg
für unverzichtbar.